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Bei der Entwicklung virtueller Umgebungen für die Ausbildung werden Avatare oft als ästhetisches oder spielerisches Mittel wahrgenommen, als Zugeständnis an die Gamifizierung, um die Aufmerksamkeit der Lernenden zu gewinnen. Diese oberflächliche Sichtweise unterschätzt jedoch die grundlegende Rolle, die Avatare in ernsthaften und transformativen Bildungskontexten spielen können.

Auf kollaborativen Virtual-Reality-Plattformen sind Avatare viel mehr als nur ein digitales Gesicht oder ein digitaler Körper: Sie sind die Brücke zwischen der Person und der Umgebung, der Kommunikationskanal zu anderen und ein Schlüsselelement, um ein Gefühl der Zugehörigkeit, Präsenz, Identität und Zusammenarbeit zu erzeugen. Sie sind letztlich ein wesentlicher Bestandteil einer inklusiveren, immersiveren und effektiveren technischen Ausbildung.

Was ist ein Avatar?

Ein Avatar ist die digitale Darstellung des Benutzers in einer virtuellen Umgebung. Er kann viele Formen annehmen: von einfachen Symbolen oder Bildern bis hin zu komplexen dreidimensionalen Modellen mit Körperbewegungen, Gesichtsausdrücken und Lippensynchronisation.

Einige Avatare streben nach Realismus und geben das Aussehen des Benutzers originalgetreu wieder, andere bewegen sich im Bereich der Abstraktion und repräsentieren symbolische oder stilisierte Aspekte seiner Identität. Ihre Form kann daher variieren, aber ihre Funktion ist immer dieselbe: dem Benutzer zu ermöglichen, in der virtuellen Umgebung präsent zu sein und zu agieren, als wäre er physisch anwesend.

Historisch gesehen wurden sie in Videospielen und Online-Plattformen verwendet, um Benutzern die Interaktion und Kommunikation zu ermöglichen. In den 90er Jahren, mit dem Aufkommen des Internets, wurden sie in virtuellen Communities und Online-Spielen populär. Mit der Weiterentwicklung der Technologie stieg auch die Komplexität und der Grad der Personalisierung dieser Avatare.

Heute, mit der Verbreitung der virtuellen Realität, spielen Avatare nicht nur in der Unterhaltungsbranche, sondern auch in Bereichen wie Bildung und Unternehmenszusammenarbeit eine zentrale Rolle.

Personalisierte Avatare: Schlüssel zu einer umfassenden Lernerfahrung

Eine der größten Fortschritte bei VR-Bildungsplattformen ist die Möglichkeit, Avatare zu personalisieren. Dabei geht es nicht nur darum, „sich einen schönen Charakter zu erstellen”, sondern eine Erweiterung seiner selbst zu schaffen, mit der man in einer gemeinsamen Welt interagieren kann. Dies hat tiefgreifende pädagogische und soziale Auswirkungen.

Stärkung des Präsenzgefühls

Virtual Reality zielt darauf ab, das zu erzeugen, was als „Präsenz” bekannt ist: das subjektive Gefühl, wirklich in einer Umgebung zu sein, jenseits des Physischen. Dieses Phänomen wird deutlich verstärkt, wenn der Avatar, mit dem sich der Nutzer in dieser Umgebung repräsentiert, personalisierte Merkmale aufweist, die mit seiner Identität übereinstimmen.

Ein generischer oder aufgezwungener Avatar kann zu einer Entfremdung, einer Dissonanz zwischen dem realen und dem virtuellen Ich führen, die die Natürlichkeit der Interaktionen beeinträchtigt und das emotionale Engagement für die Aktivität verringert. Ein Avatar hingegen, den der Nutzer als seinen eigenen wahrnimmt – weil er seine Vorlieben, seinen Stil oder sogar seine Kultur widerspiegelt –, wirkt als Katalysator für dieses Eintauchen und ermöglicht ein bedeutungsvolleres Lernen.

Persönlicher Ausdruck und Authentizität

Die Möglichkeit, Elemente wie Hautfarbe, Art der Kleidung, Frisur oder Accessoires zu konfigurieren, ermöglicht nicht nur eine stärkere Identifikation mit dem Avatar, sondern erleichtert auch den Ausdruck der eigenen Identität.

Auf diese Weise ermöglichen personalisierte Avatare, sich der Welt so zu zeigen, wie man sich fühlt und wahrgenommen werden möchte, und das in einer sicheren Umgebung. Diese Authentizität fördert Vertrauen, aktive Beteiligung und emotionales Wohlbefinden – Faktoren, die für ein effektives kollaboratives Lernen unerlässlich sind.

Inklusion und Vielfalt im virtuellen Klassenzimmer

Die Interaktion zwischen personalisierten Avataren beseitigt viele der Barrieren, die in der persönlichen Kommunikation bestehen: Akzent, Aussehen oder Mimik sind keine Bewertungsfaktoren mehr, sondern werden zu Elementen der Anerkennung. Diese scheinbare Neutralität ermöglicht es, gleichberechtigtere Beziehungen zwischen den Teilnehmern aufzubauen.

Damit dies funktioniert, ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Personalisierungssysteme keine Stereotypen oder Ausgrenzungen perpetuieren. Die Plattformen müssen umfassende und respektvolle Optionen bieten, die sich nicht auf normative Muster in Bezug auf Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Aussehen beschränken.

Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit in Mehrbenutzerumgebungen

In virtuellen Umgebungen, die kollaborative Ausbildungsdynamiken beinhalten, müssen mehrere Lernende zusammenarbeiten. In diesem Zusammenhang erleichtern personalisierte Avatare die Identifizierung der Teilnehmer, ermöglichen die Verteilung von Rollen und verbessern die Gruppendynamik.

Darüber hinaus ermöglichen einige Systeme den Avataren die Simulation grundlegender Körperausdrücke oder Gesten, was für die nonverbale Kommunikation in Situationen wie einer Team-Wartungsübung, einem logistischen Vorgang oder einer virtuellen Gesundheitsversorgung von entscheidender Bedeutung ist. Die Möglichkeit, den Kollegen anzusehen, ihn zu berühren, auf ein Werkzeug zu zeigen oder ein Gespräch zu führen, bereichert die Lernerfahrung enorm.

Avatare

Vorbereitung auf das Netzwerk-Training

Virtual-Reality-Plattformen ermöglichen zunehmend Fernunterricht: Schüler aus verschiedenen Zentren, Regionen oder Ländern können dieselbe Lernumgebung nutzen, ohne physisch zusammen zu sein. In diesen Fällen wird der Avatar zum wichtigsten Interaktionskanal und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Die Personalisierung hilft der Gruppe, sich kennenzulernen, sich zu identifizieren und sich zu organisieren, auch in virtuellen Umgebungen. Dies bereitet die Schüler auf eine Arbeitsrealität vor, in der Remote-Zusammenarbeit und digitale Kommunikation immer häufiger vorkommen.

Avatare, ein unverzichtbares pädagogisches Werkzeug

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Avatare in der virtuellen Realität nicht nur eine einfache visuelle Ergänzung oder ein dekoratives Gamification-Werkzeug sind. Sie sind eine Erweiterung des Benutzers in der immersiven Umgebung, eine emotionale und soziale Schnittstelle und ein pädagogisches Instrument von hohem Wert. Ihr Design, ihre Personalisierung und ihre richtige Verwendung können den Unterschied zwischen einer oberflächlichen Lernerfahrung und einer echten Veränderung in der Art und Weise, wie wir lernen, zusammenarbeiten und miteinander umgehen, ausmachen.

Da virtuelle Umgebungen in der Bildung immer mehr an Bedeutung gewinnen, wird es entscheidend sein, die Rolle zu verstehen, die Avatare spielen können. Es reicht nicht aus, dass Benutzer eine Virtual-Reality-Umgebung „betreten”: Sie müssen sich darin auch wie sie selbst fühlen können.